Überraschung: Millsaps siegt in Anaheim

Busty Wolter

Mit einer faustdicken Überraschung ist die Monster Energy AMA Supercross Saison 2013 gestartet. Keiner der heiß gehandelten Kandidaten auf den Titel in der Klasse bis 450 ccm lag am Ende vor mehr als 45.000 Zuschauern in Anaheim/Los Angeles vorne. „Underdog“ Davi Millsaps auf seiner Rockstar Energy Racing Suzuki konnte den Auftakt eindrucksvoll gewinnen. In der Lites-Klasse setzte sich dagegen einer der Favoriten auf die Meisterschaft durch. Titelverteidiger Eli Tomac konnte sich auf der Geico Honda vor unserem Ken Roczen auf seiner Red Bull KTM den Sieg beim Saisonstart holen.

Surprise, surprise bei den 450ern
Bei den Tipps auf die kommende Meisterschaft und auf das Auftaktrennen im Baseball-Stadion der Angel‘s waren in der Supercross-Klasse immer wieder die gleichen Namen zu hören: Titelverteidiger Ryan Villopoto, James Stewart, Ryan Dungey und Chad Reed. Ebenfalls hoch gehandelt wurde in der 450er Klasse der Neuling und amtierende East Coast Lites-Meister Justin Barcia. Gespannt waren die Fans zudem auf die Rückkehr von Trey Canard, der nach mehreren schweren Verletzungen einmal mehr ein Comeback startete und dementsprechend von den Fans lautstark begrüßt wurde.

Das hatte den gläubigen Christen ganz offensichtlich beflügelt. Canard hatte sich gleich nach dem Start hinter Millsaps an die zweite Stelle gesetzt und hielt in der Folge Runde für Runde Justin Barcia, Ryan Dungey und Chad Reed hinter sich. Keinen guten Start dagegen erwischten James Stewart und Ryan Villopoto, der sich in der ersten Kurve nur an zwölfter Stelle einreihte und sich daran machte, sich durch das Feld zu arbeiten. Doch das Tempo ist höher geworden, die Konkurrenz stärker, und so tat sich RV schwer nach vorne zu fahren. Als er an das Hinterrad von James Stewarts Suzuki gefahren war, musste Villopoto das hohe Risiko mit einem ersten Sturz bezahlen und verlor so erneut wertvollen Boden. Die Spitze in der Besetzung Millsaps, Canard, Barcia, Dungey und Reed war für den Titelverteidiger mit seiner Werks-Kawasaki fortan nicht mehr einzuholen. Und auch Stewart fiel mit einer Knieverletzung aus der Quali in den folgenden Runden zurück anstatt wie gewohnt nach vorn zu preschen.

Den Zuschauern sollte es egal sein, denn sie bekamen ein tolles und spannendes Rennen geboten, in dem die fünf führenden Protagonisten wie an der Perlenkette gereiht das Tempo vorgaben. Ryan Dungey, der sonst so sichere Red Bull KTM-Werksfahrer, musste kurz in einer Kurve zu Boden und damit alle Siegeschancen begraben, konnte sich allerdings wieder aufs Podium vorarbeiten. Chad Reed fuhr auf seiner Two Two Motorsports Honda sehr beständig und sicherte sich am Ende Platz vier hinter Dungey und vor dem stark fahrenden Jake Weimer und Andrew Short. Justin Barcia schmiss in diesem verrückten Rennen einen sicheren Podiumsplatz weg. Der Honda Werksfahrer, der sein Quali-Rennen knapp vor dem wie entfesselt nach vorn fahrenden Villopoto gewonnen hatte, lag lange auf dem dritten Rang und hätte womöglich auch Dungey hinter sich gehalten. So sah es zumindest aus, ehe auch „Bam Bam“ in den Dreck musste und lediglich als Siebter die Ziellinie überquerte, damit aber immer noch besser war als Stewart auf dem achten, Justin Brayton auf dem neunten und Publikumsliebling und Oldie Kevin Windham auf dem zehnten Platz.

Der Kampf um den ersten Platz sollte allein unter Millsaps und Canard ausgemacht werden. Canard hatte dem Suzuki-Fahrer von Anfang an am Hinterrad geklebt und sollte scheinbar vorentscheidend in Runde 16 die Führung übernehmen. Doch Millsaps, der schon im Training und Qualifikationsrennen gezeigt hatte, dass mit ihm zu rechnen ist, blieb zur Freude der 45.000 Fans dran und schaffte es tatsächlich in der letzten Runde am Ende der Whoop-Section am Honda-Fahrer vorbei zu gehen und nur ein paar Kurven darauf seinen ersten Sieg seit 2010 einzufahren. “Ich habe einfach nur versucht ruhig zu bleiben. Es ist schon lange her, dass ich ein Rennen angeführt habe. Daher musste ich meine Nerven im Zaum halten”, sagte ein überglücklicher Millsaps, der sich neben der Siegprämie auch die 1.500 Dollar für den Nuclear Cowboys Holeshot einstecken konnte. Nicht weniger glücklich über seinen zweiten Platz war jedoch Trey Canard, der nach dem Zieleinlauf beide Hände zum Stoßgebet gen Himmel reckte. Kein Wunder, hatte der Honda-Fahrer sich nach mehreren schweren Verletzungen mit Bein- und Wirbelbrüchen doch die letzten beiden Jahre fast ausschließlich die Rennen vor dem TV angeschaut hatte und somit ein tolles Comeback feiern konnte, mit dem selbst er nicht gerechnet haben dürfte.

Tomac und Roczen erfüllen die Erwartungen
Weniger spannend ging es dagegen bei den Lites zu. Den aufregendsten Moment bekamen die Zuschauer gleich nach der ersten Kurve zu sehen, als es zu einem Massencrash an der Spitze kam. Nutznießer waren Titelverteidiger Eli Tomac auf seiner Geico Honda, Malcolm Stewart auf seiner J-Star KTM und Ken Roczen, der eigentlich einen schwachen Start erwischt hatte und sich dadurch geschickt aus der Karambolage heraus halten konnte. Der Deutsche schlüpfte innen durch und fand sich auf einmal an dritter Stelle wieder. Weniger glücklich verlief der Rennstart für Motocross-Meister Blake Baggett auf seiner Monster Energy Pro Circuit Kawasaki, der sich sehr weit hinten einreihen und schon nach etwa der Hälfte der Renndistanz vom Führenden Eli Tomac überrunden lassen musste. Roczen hatte zuvor nicht lange gefackelt und war in Runde sechs an seinem Marken-Kollegen Stewart vorbei auf den zweiten Platz vorgerückt, um sich dann an die Verfolgung von Tomac zu machen. Doch anstatt die Lücke zu schließen, wurde sie eher noch größer und so wurde ziemlich schnell deutlich, dass die vorderen beiden Plätze vergeben waren. Lediglich im Kampf um den dritten Podiumsplatz tat sich noch etwas, denn Stewart musste noch Cole Seely und Jason Anderson passieren lassen. Dennoch stand am Ende ein guter fünfter Rang für den kleinen Bruder von JS7, der Fahrer wie Ryan Sipes, Zach Osborne, Tyla Rattray, GP-Gast Max Anstie , Michael Leib und natürlich Blake Baggert auf die weiteren Plätze verwies.

Ergebnisse und Tabellenstand 450 Anaheim

1. Davi Millsaps, SUZ, 25
2. Trey Canard, HON, 22
3. Ryan Dungey, KTM, 20
4. Chad Reed, HON, 18
5. Jake Weimer, KAW, 16
6. Andrew Short, HON, 15
7. Justin Barcia, HON, 14
8. James Stewart, SUZ, 13
9. Justin Brayton, YAM, 12
10. Kevin Windham, HON, 11
11. Josh Grant, YAM, 10
12. Matt Goerke, KTM, 9
13. Kyle Chisholm, YAM, 8
14. Weston Peick, SUZ, 7
15. Matt Lemoine, KAW, 6
16. Ryan Villopoto, KAW, 5
17. Vince Friese, HON, 4
18. Broc Tickle, SUZ, 3
19. Rob Kiniry, HON, 2
20. Mike Alessi, SUZ, 1

Ergebnisse und Tabellenstand 250W Anaheim

1. Eli Tomac, HON, 25
2. Ken Roczen, KTM, 22
3. Cole Seely, HON, 20
4. Jason Anderson, SUZ, 18
5. Malcolm Stewart, KTM, 16
6. Ryan Sipes, SUZ, 15
7. Zach Osborne, HON, 14
8. Tyla Rattray, KAW, 13
9. Max Anstie, SUZ, 12
10. Michael Leib, HON, 11
11. Kyle Cunningham, YAM, 10
12. Christian Craig, HON, 9
13. Joey Savatgy, KTM, 8
14. Blake Baggett, KAW, 7
15. Travis Baker, YAM, 6
16. Austin Politelli, HON, 5
17. Jean Ramos, KAW, 4
18. Jessy Nelson, HON, 3
19. Jake Canada, HON, 2

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